reformation:2017 - Das Magazin
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

verschmitzt sieht sie aus, unser Covergirl, und ziemlich gelassen. Kennt man Katharina von Bora sonst von Gemälden eher streng, ahnt man hier eine Menge Lebenserfahrung, Heiterkeit und Witz. Den wird sie auch gebraucht haben, auf ihrem durchaus turbulenten Lebensweg. Mit neun Jahren war sie ins Kloster gekommen und konnte damals in keiner Weise ahnen, was das Leben noch für sie bereithalten sollte. Flucht aus dem Kloster mit 24 Jahren, Heirat mit Martin Luther und danach die Führung eines umfangreichen Haushaltes – oder modern gesprochen: Managerin eines mittelständischen Familienbetriebes. Aufregende Zeiten waren das.

Die Reformation stellte viele Gewissheiten auf den Kopf - und sie entdeckte neue. Ja, sie entdeckte das Evangelium und damit Gott selbst neu, als gnädigen Gott, der sich den Menschen liebevoll zuwendet, ohne dass sie dafür eine eigene Leistung zu vollbringen hätten. Rechtfertigung aus Gnade, als Geschenk – diese Erkenntnis ließ Martin Luther Gefahr für Leib und Leben auf sich nehmen und den Mächtigen seiner Zeit trotzen. Diese Neu- und Wiederentdeckung wollen wir feiern, 500 Jahre nachdem Luther durch die Veröffentlichung seiner Thesen zum Ablass die Reformation auslöste. Denn die Erkenntnisse der Reformatorinnen und Reformatoren wirken bis heute. Einige Spuren davon zeichnen wir in diesem Magazin nach.

Es gibt viel zu entdecken: vom Wittenberg des 16. Jahrhunderts bis zum Dienst eines modernen Samariters, Verzeihung: Johanniters auf einer Windkraftplattform im Wattenmeer, von den Burgen Mitteldeutschlands bis zum evangelischen Kindergarten in Namibia. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen eines Klosters und lassen eine moderne Äbtissin zu Wort kommen – die den Weg genau anders herum gegangen ist als Katharina von Bora. Menschen aus verschiedensten Zusammenhängen berichten von der Kraft, die sie bis heute sagen lässt: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Aber auch von den Hürden, die der Glaubensgewissheit mitunter im Weg stehen, wie im Gespräch mit dem Agenturchef Lutz Engelke, der sagt: Ich würde ja gern glauben, aber…

Was in all dem deutlich wird: Immer waren und sind Menschen auf der Suche danach, was ihrem Leben Sinn gibt, was ihr Dasein rechtfertigt, wie sie bestehen können vor Gott und der Welt, welche Hoffnung über den Tod hinaus trägt. Einige Antworten auf diese Fragen haben wir zusammengetragen. Und wer sich selbst auf den Weg machen will, findet Anregungen nicht nur für einen Ausflug in den Reformationssommer 2017, sondern auch einen kleinen Reiseführer für die eigene innere „Expedition zur Freiheit“.

Anregende Lektüre wünscht Ihnen
Ihre Silke Römhild.