reformation:2017

Freiheit und
Verantwortung

Was bedeutet Beruf heute?

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.
Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“
Martin Luther

Der deutsche Ausdruck „Beruf“ geht in seiner eigentümlichen Bedeutung auf Luthers Sprachbildung zurück. Der Begriff hat eine einzigartige Bedeutungszuschreibung, die in anderen Sprachen so nicht abgebildet werden kann. Kein Wunder also, dass er bisher keine sinnfällige Übersetzung gefunden hat.

In Luthers Verständnis geht der Beruf eines Menschen weit über seine Erwerbstätigkeit bzw. die Notwendigkeit der Ernährung hinaus. Im zweisilbigen Wort steckt die Vorsilbe „be-„ im Sinne einer nicht verfügbaren, passiv erfahrbaren Wirklichkeit. Die zweite Silbe „ruf“ bezieht sich auf das Verb „rufen“. Martin Luther geht davon aus, dass Gott den Menschen zu einem Amt ruft. Diesem Ruf hat der Mensch gehorsam Folge zu leisten. Widersetzt er sich – wie etwa Jona in der Geschichte seiner Berufung zum Propheten von Ninive – gefährdet er Gottes Schöpfung, indem er sich seiner Ordnung entgegenstellt.

Zu dieser gesetzlich-verurteilenden Deutung gehört aber auch die evangelisch-verheißende Bedeutungsdimension: Wem Gott einen Ruf erteilt, dem verleiht er die erforderlichen Gaben zu einer gelingenden Ruf-Erfüllung. Zum Be-ruf gehört die Be-gabung. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben – freilich im Verständnis Luthers nicht aus sich selbst, sondern aufgrund von Gottes Zuwendung und Gnade.

Luthers Lehre vom Beruf wirft ein eigentümliches Licht auf die gegenwärtige Diskussion um das Recht auf Arbeit und auf Selbstentfaltung im Beruf. Arbeit bleibt für Luther ein Fluch von Anbeginn an und darf mit dem Beruf nicht verwechselt werden. Der besteht eben gerade nicht in der notwendigen Erwerbstätigkeit, die für das tägliche Brot sorgt, sondern in einer ganzheitlichen Entfaltung der guten Gaben Gottes.

Diese Gaben sollen nicht durch ökonomische Zwänge oder Überlegungen belastet werden. Ein Beruf ist viel mehr als die damit erwirtschaftete Versorgung. Er ist der lebensbestimmende Ausdruck der von Gott gegebenen Gaben. Diese entfalten sich auch in Tätigkeiten handwerklicher, dienstleistender oder akademischer Natur – aber eben nicht nur dort. Sie entfalten sich in Kompetenzen für Familie, Freizeit, Freundeskreise, für Aktivitäten außerhalb von Kosten-Nutzen-Überlegungen, in ästhetischen, befriedigenden und erfüllenden Tätigkeiten, die die Seele so ganz und gar zu sich selbst kommen lassen.

Ein erfolgreiches Berufsleben ist nur möglich, wo der Mensch sich seiner Begabung immer wieder neu vergewissert und sie nicht als naturhaft verfügbar zu beherrschen versucht. Gott sei Dank – ein Berufsleben endet dann nicht mit der Verrentung oder Pensionierung, sondern im Wissen darum, dass Gott seiner Be-gabung Grenzen setzt und das menschliche Leben einem sinnvollen, erfüllten Ende entgegen gehen lässt. (mw)

Wir haben vier ganz unterschiedliche Menschen gefragt, was ihr „Berufsleben“ geprägt hat und noch heute prägt.

Heinz Fischer, Kirchenratspräsident Schwyz

„In dieser interessanten Zeit mit den offenen Fragen zur Migra­tion, dem Reformationsjubiläum und unserem großen Kirchentag ist es ein Privileg für mich, das Präsidium inne zu haben.“Als Heinz Fischer sich früh morgens auf den Weg zum ersten Kirchentag...

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Alrun Kopelke, Pfarrerin Echzell

„Als Journalistin war ich immer nur kurz da und schnell wieder weg. Als Pfarrerin lebe ich mit den Menschen.“ Alrun Kopelke hat eine typische Medien­karriere hinter sich. Nach dem Studium bekam sie einen der begehrten Ausbildungsplätze als...

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Martin Swoboda, Manager München

„Mit den neuen Anforderungen des Bevölkerungsschutzes liegen große Aufgaben noch vor uns.“ LILALU – Großes Gewusel, überall kleine Clowns, Zauberer, Artisten und Künstler. Und bei der Auswertung des Tages: außer ein paar Pflaster...

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Dr. Birgit Pfeiffer, Präses Mainz

„Ich freue mich auf die Gottesdienste und Veranstaltungen, die in dieser ganz besonderen evangelischen Kirche mitten in Mainz nach Abschluss der Arbeiten statt­finden werden.“ Ein Blick in die Historie und ein Blick in die Zukunft - für Birgit...

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